SATIROSKOP

 

Donnerstag, 15. Mai 2014

 

Neues Integrationsmodell überwiegend positiv aufgenommen

 

Der zuständige Ausschuss des Bundestages zieht eine positive Bilanz des Projekts „Überflieger“. Schwerpunkt ist ein realistischerer Ansatz der Sprach- und Integrationskurse für Flüchtlinge in Deutschland.

 

Lampedusa - Die Flüchtlinge werden von der EU freundlich in Empfang genommen

Berlin (aan) - Der Bundestagsausschuss zur effektiveren Integration von Flüchtlingen (BAEIF) stellte im Rahmen seines Jahresberichts gestern sein neues Pilotprojekt "Überflieger" vor. Ausschusssprecher Manfred Schimmel (CDU) sagte zur Veröffentlichung des Berichtes „Deutschland - Chancenland“, der Ausschuss reagiere damit auf die Vorwürfe, sowohl der Deutschunterricht als auch die gesamte Integration von Menschen ohne deutschen Pass in die Bundesrepublik sei fehlgeleitet. Er erinnert sich, wie in seinem Wahlkreis in Baden-Württemberg das neue Integrationsmodell mit dem Pilotprojekt „Überflieger“ begann: „Die Loage woa gatastroffal. Nimma reddisch deitsch hem de meista sprecha kenna.“

Auch die flüchtlingspolitische Sprecherin der Grünen, Cornelia Heidebrandt, fand die bisherigen Integrationsmöglichkeiten defizient: „Manches hat mich da richtig sauer gemacht!“ Besonders die Deutschkurse seien praxisfern gewesen und weder in der Unterrichtsdidaktik noch in den vermittelten Inhalten an die Unterrichteten angepasst gewesen. „Ich war mal in einer Unterrichtsstunde dabei. Da mussten erwachsene Menschen mit grünem Stift den Dativ und mit gelbem den Akkusativ in einem Satz unterstreichen. Das sind menschenunwürdige Bedingungen!“

Der Projektleiter von „Überflieger“, Stephan Codelius, beschreibt seinen Ansatz wie folgt: „Bislang dienten die Deutschkurse hauptsächlich dazu, dass pensionierte Lehrerinnen junge Männer aus Ghana kennen lernen konnten. Das war eindeutig eine konzeptuelle Schwäche.“ Entsprechend trocken seien auch die Unterrichtsstunden gewesen. „Wir haben dann aber damit begonnen, gleich alltägliche Gesprächssituationen einzuüben, wie z.B. ,Ich bin Afrikaner - darf ich trotzdem als Flüchtlling ins Krankenhaus?´“ Viele Flüchtlinge seien bei diesen Übungen „regelrecht aufgeblüht“. Manfred Schimmel war von dem Konzept begeistert („Do woa alles gonz progdisch!“) und hat neben „Überflieger“ auch sieben andere Pilotprojekte anschubfinanizert.

Annica Schedeligger, die ein Zwillingsprojekt in Hagendorf bei Magdeburg auswertet, sagt: „Ganz positiv war es, dass nicht nur das Ausdrucksvermögen verbessert wurde, sondern auch die kommunikative Kompetenz: Bei Rollenspielen, wie z.B. ,Ich habe kein Geld und darf die Anlage nicht verlassen – wie überrede ich den Busfahrer, dass er mich umsonst mitnimmt?´, lernen die Teilnehmer, auf eine friedlich Lösung zu setzen und Gewalt zu vermeiden.“ Gerade in Ostdeutschland sei dies eine „Kernkompetenz“. Entsprechend sollen auch die Integrationstests angepasst werden.

BAEIF-Ausschussmitglied Michael Konnepke (SPD) sagte in einer Pressekonferenz: „Natürlich müssen wir auch die neuen Kenntnisse entsprechend abfragen. Es macht gar keinen Sinn, drei deutsche Philosophen abzufragen, das würden Sie doch auch bei einem Bewerbungsgespräch nie wissen wollen. Außerdem diskutieren die beim Tee schon genug über die verschiedenen Gottesbegriffe bei Hegel, Averroes und Ramakrishna. Das muss man nicht auch noch unterstützen.“ Stattdessen soll geprüft werden, ob das Wissen auch unter Stress abgerufen werden kann. „Wir setzen z.B. somalische Flüchtlinge in ein Assessment-Center und sagen ihnen, dass sie in 48 Stunden nach Mogadischu abgeschoben werden, wo sie ein Erschießungskommando erwartet.“ Innerhalb dieses Zeitraums haben die Prüflinge als Team folgende Aufgaben zu bewältigen: eine Fluchtmöglichkeit in einen Pariser Vorort, einen gefälschten Reisepass und fünfhundert Euro organisieren und bei Gesprächen höfliches und korrektes Deutsch verwenden. „Die Szenarien müssen eben so realistisch wie nur möglich sein, damit wir überprüfen können, ob das Wissen auch verankert ist“, sagte die integrationspolitische Sprecherin der SPD, Michaela Fuhlsring.

Kritisch beurteilt wurden die Projekte dagegen von der Bundestagsfraktion der Linken: „Wenn Putin so weitermacht wie bisher, sind diese ganzen Bemühungen vollkommen umsonst, weil wir dann hier in zwei Jahren eh wieder alle russisch lernen müssen“, sagte die europapolitische Sprecherin Kati Waldhorst.