SATIROSKOP

 

Donnerstag, 5. Juni 2014

 

Schöner töten mit der Bundeswehr

 

Bundesverteidigungsministerin von der Leyen zeigt sich begeistert von ihrer Bundeswehr-Reform "Schöner töten". Schöneres Wohnen in den Kasernen, modischere Uniformen und Bundeswehr-Kitas in Afghanistan sollen aus der Armee einen attraktiven Arbeitgeber machen.

 

In schickem Blau - Bundesverteidigungsministerin von der Leyen und ihr neuer Design-Kommandant

Berlin (mdi) – Wieder einmal sorgt Ursula von der Leyen mit einem ihrer Projekte für Schlagzeilen. Die nach der Bundestagswahl 2013 überraschend zur Bundesverteidigungsministerin gekürte CDU-Politikerin stellte in Berlin ihre erste große Bundeswehrreform "Schöner töten" vor. Von der Leyen verblüffte damit ihre Widersacher, die eigentlich mit einer besseren materiellen Ausstattung der Bundeswehr gerechnet hatten.

Stattdessen gehören zu den Maßnahmen insbesondere Verbesserungen im Lifestyle von Bundeswehr-Soldaten. So sollen die Kasernen durch neue Möbel und Flachbildschirme in ihrem Ambiente und ihren Freizeitmöglichkeiten deutlich aufgewertet werden. Neue Gardinen und dekorative Blumenvasen runden das neue Kasernenbild ab. Das modische Spektrum der Uniformen soll erweitert werden durch vierteljährlich wechselnde Kollektionen. In den jeweiligen Trendfarben sollen dann auch Sonnenbrillen, Gewehre, Panzer und Leichensäcke gehalten sein.

Sehr wichtig ist der ehemaligen Familienministerin auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. So soll es zukünftig für Soldaten und Soldatinnen einen Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit und Kita-Plätze auch an der Front geben. In Afghanistan wird in der kommenden Woche die erste Bundewehr-Kita in einem Kriegsgebiet eröffnet, danach sollen weitere in Mali und in der Ukraine folgen. Auch dürfen Soldaten künftig ihren Nachwuchs im Tragetuch mit ins Gefecht nehmen. Sind Babys dabei, ist laut von der Leyen im Kampfeinsatz alle 90 Minuten eine Feuerpause einzulegen, damit die ganz Kleinen in Ruhe gestillt werden können. Im Kampf gefallene Soldaten sollen einen Rücktransport im Erste-Klasse-Flug und ein Gratis-Küchenmesser aus hochwertigem Edelstahl erhalten. "Uns ist die Work-Death-Balance sehr wichtig", erklärte von der Leyen.

Damit, so die Ministerin, erfülle sie ihr selbstgestecktes Ziel, die Bundeswehr zu "Deutschlands attraktivstem Arbeitgeber" zu machen. Das Motto, das über der Pressekonferenz der Ministerin prangte, lautete "Aktiv. Attraktiv. Anders." Damit war allerdings nicht die Bundeswehr-Reform gemeint, sondern die Ministerin selbst. Von der Leyen erklärte, sie gedenke die Ressorts Familie, Arbeit und Finanzen ihrem Verteidigungsministerium anzuschließen und sich fortan "Superverteidigungsministerin" zu nennen.

Der Koalitionspartner SPD begrüßte die Pläne der Ministerin. Parteichef Sigmar Gabriel mahnte jedoch an, dass Soldaten nach einer "Lebensleistung" von entweder 15 Dienstjahren bei der Bundeswehr oder 100 getöteten Feinden abschlagsfrei in Früh-Rente gehen können müssten. "Alles andere wäre unsozial", so der SPD-Chef.

Die Grünen dagegen kritisierten die Pläne der CDU-Politikerin. Solange deutsche Panzer immer noch mit fossilen Brennstoffen fahren würden, sei diese Bundeswehrreform nur "schöner Schein", so die Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckhardt. Sie forderte Elektro-Panzer sowie Särge aus FSC-zertifiziertem Bio-Holz für deutsche Soldaten. Erst dann würde aus dem "Schöner töten" der Verteidigungsministerin ein zeitgemäßes "Ökologischer töten".

Die Fraktion der Linkspartei im Bundestag war für eine Stellungnahme nicht zu haben, da sie seit drei Wochen in einer Klausur-Sitzung über ihre Auflösung debattiert.